Abschiedsinterview đŸŽ€mit Natko Merhar

Natko Merhar: „Danke fĂŒr sieben fantastische Jahre SGSH DRAGONS.“

📾 Bildquelle: Jenny Seidel

02.11.2021

Am vergangenen Samstag war es so weit: der Linksaußen der SGSH Dragons hat nach sieben Jahren in Deutschland seine Koffer gepackt und ist in seine kroatische Heimat gereist. Ein berufliches Angebot, welches der 30-jĂ€hrige nicht ausschlagen konnte, hat ihn im September zu dem Entschluss gebracht, in seine Heimat zurĂŒck zu kehren und den laufenden Vertrag mit dem Handball Drittligisten aufzulösen. LokalDirekt sprach mit Natko Mehrar drei Tage vor seiner Abreise und blickte auf seine Jahre in Halver und SchalksmĂŒhle zurĂŒck. „Ich bin unendlich dankbar fĂŒr diesen Abschied, fĂŒr den Respekt, den die Fans mir entgegen gebracht haben. Dass die Verabschiedung so groß wird, habe ich nicht erwartet“, so Merhar, der mit einem lachenden und einem weinenden Auge mit seiner Frau und den zwei Kindern ein neues Leben in der alten Heimat aufbaut.

Natko, Time to say goodbye. Ende dieser Woche geht es fĂŒr Dich zurĂŒck nach Kroatien. Wie groß ist die Vorfreude auf die neue, alte Heimat?

Natko Merhar: „Ich freue mehr sehr auf zu Hause und die Heimat, denn seitdem ich 18 Jahre alt war, wohnte ich nicht mehr zu Hause. Aber ich bin auch traurig, weil ich Deutschland verlasse, denn nach sieben Jahren hier ist es zu meinem zweiten zu Hause geworden. Wenn wir in Kroatien im Urlaub waren und dieser sich dem Ende neigte, sagten wir „Wir fahren nach Hause“, obwohl Kroatien ja unser zu Hause ist.“

Du bist 2015 nach Deutschland gekommen, kanntest das Land nicht, hast die Sprache nicht gesprochen. Wie waren die ersten Wochen damals fĂŒr Dich?

Natko Merhar: „Es war alles ein wenig anstrengend. Alles war unbekannt fĂŒr mich: das Land, die Sprache, die Gesetze, die Rechte und Pflichten, die MentalitĂ€t, einfach alles. Ich musste mich komplett umstellen und meiner Meinung nach hat das alles gut geklappt. Auch die grĂ¶ĂŸte Umstellung vom Wetter habe ich gut verkraftet (lacht).“

Dein letztes Heimspiel fĂŒr die SGSH Dragons ist nun schon 4 Wochen vergangen. Als Du eingewechselt wurdest, gab es Standing Ovations und tosenden Applaus. Wie war es fĂŒr Dich, so verabschiedet zu werden?

Natko Merhar: „Das war ein sehr besonderes GefĂŒhl fĂŒr mich. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, habe mich fĂŒr einen Moment völlig verloren in diesem Moment. Ich bin unendlich dankbar fĂŒr diesen Abschied, fĂŒr den Respekt, den die Fans mir entgegen gebracht haben. Dass die Verabschiedung so groß wird, habe ich nicht erwartet.“

Dazu war Dein letztes Spiel das Derby gegen Volmetal, welches eh immer groß zelebriert wird und besondere Momente beinhaltet. Konntest Du Dir einen besseren Abschied vorstellen?

Natko Merhar: „Der erste Plan war, dass ich mich Oktober im Spiel gegen Krefeld verabschiede, aber die Aus-, bzw. RĂŒckwanderung nach Kroatien hat unglaublich viel Arbeit mit sich gebracht, da man viele BehördengĂ€nge etc. zu absolvieren hat. Daher kam der Entschluss, dass mein letztes Spiel in Gensungen/Felsberg auswĂ€rts sein wird und somit mein letzter Heimauftritt im Derby gegen Volmetal. Es hĂ€tte auch kein besseres Spiel als dieses fĂŒr meinen Abschied gegeben. An dem Tag war ich sehr nervös gewesen, denn ich wusste nicht, was mich erwarten wird. Die AtmosphĂ€re in dem Spiel ist eh immer besonders und ich wollte zum Abschied noch einmal vor den Fans spielen. Mark Schmetz hat mir die letzten zehn Minuten im Spiel ermöglicht und ich konnte glĂŒcklicherweise noch zwei Tore zum Derbysieg beisteuern.“

„Marc SchĂŒr und Axel Vormann verabschiedeten Natko Merhar in seinem letzten Training“

📾 Bildquelle: Jenny Seidel

Trotz der RivalitÀt im Derby wurdest Du auch von den Spielern des TuS Volmetal verabschiedet?

Natko Merhar: „Ja na klar. Das war ein nettes Zusammentreffen auf dem Kabinengang und wir sind freundschaftlich miteinander umgegangen, wie in all den Jahren auch.“

Gibt es fĂŒr Dich ein Spiel, welches Dir aus den vergangenen sieben Jahren besonders in Erinnerung bleiben wird?

Natko Merhar: „Ein direktes Spiel jetzt nicht. Eine besondere Zeit war natĂŒrlich, als wir das Turnier im DHB-Pokal ausgerichtet haben und der damalige amtierende deutsche Meister mit Flensburg in Halver zu Gast war. Auch wenn ich verletzungsbedingt nicht Spielen konnte, es war ein tolles Wochenende. In Gedanken werden mir auf jeden Fall die ersten Spiele, die ich fĂŒr die SGSH absolvieren durfte, bleiben. In den ersten zwei, drei Spielen damals habe ich gemerkt, dass es ein Unterschied zum kroatischen Handball ist: eine andere Liga, andere Fans, eine sehr gute AtmosphĂ€re in der Halle, das war fĂŒr mich alles neu und es hat mich beeindruckt.“

Wenn Du zurĂŒck in Kroatien bist, wirst Du weiter Handball spielen? 

Natko Merhar: „Das ist auf jeden Fall mein Plan. Wie das alles klappt mit den Papieren und VertrĂ€gen, das weiß ich jetzt noch nicht, das muss die Zeit mit sich bringen, aber spielen will ich auf jeden Fall. 

Mit welcher Spielklasse wÀre Dein Verein dann vergleichbar zur deutschen Spielklasse?

Natko Merhar: „So ungefĂ€hr vierte Liga. Ein Mittelding aus deutscher dritter und vierter Liga.“

Deine Frau Martina ging fĂŒr die SGSH Dragons ebenfalls auf Torejagd. Wird sie in Kroatien auch wieder mit dem Handball spielen anfangen?

Natko Merhar: „Sie hatte jetzt pausiert wegen der Geburten unserer Kinder und freut sich schon, bald den Ball wieder in die Hand nehmen zu können. Sie spielt schon viele Jahre Handball und das auch sehr gerne. Es wird eh fĂŒr sie in Kroatien einiges besser laufen, denn hier war sie sehr viel alleine. TagsĂŒber war ich arbeiten, abends zum Training in der Halle und am Wochenende an einem Tag zum Spiel. Sie hat die Zeit hier in Halver sehr gut gemeistert, vor allem mit den beiden Kindern und da muss ich ihr auch ein Lob fĂŒr aussprechen. In Kroatien hat sie ihre Freundinnen um sich, unsere Familien und sie hat es sich jetzt einfach verdient, dass sie ihre Zeit bekommt, fĂŒr das, was ihr Spaß macht.“

Was wĂŒnschst Du Dir fĂŒr Deine Familie in der Heimat?

Natko Merhar: „Viel gemeinsame Zeit. Wir werden versuchen, viele aus den vergangenen Jahren nachzuholen, als wir nicht zusammen waren. Das wichtigste in dieser Zeit ist aber auch viel Gesundheit!“

„Time to say goodbye. Natko Merhar ist mit seiner Familie nach Kroatien zurĂŒck gekehrt.“

📾 Bildquelle: Jenny Seidel

Natko Merhar ist am Samstag, 30. November gesund in Kroatien gelandet und hat uns noch diese Zeilen zukommen lassen: „Ich möchte mich bei allen Fans, Vereinsangehörigen, bei allen, die mir geholfen haben, sei es damals, als ich nach Deutschland kam oder auch jetzt bei meinem Abschied, bedanken.

Danke fĂŒr Alles, wir werden uns Wiedersehen!“

🗞 Quelle: Jenny Seidel, LokalDirekt